Mobile medizinische Teams in Polen

Med'EqualiTeam

Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine

Med’EqualiTeam – Polen

Kontext

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine haben mehr als 7,6 Millionen Menschen, zumeist Familien bestehend aus Frauen, Kindern und älteren Menschen, das Land verlassen müssen. Männern zwischen 18 und 60 Jahren ist es aufgrund des Kriegsrechts untersagt, die Ukraine zu verlassen. Mehr als die Hälfte dieser Menschen floh nach Polen (Quelle: UNHCR).

Eine bereits bestehende ukrainische Community, die herzliche Unterstützung durch die polnische Bevölkerung sowie die europäischen Richtlinien für den Zugang zu Asyl, Bildung und das Recht auf Arbeit haben dazu beigetragen, dass sich fast 1,3 Millionen ukrainische Geflüchtete in Polen registrieren ließen. Dieser Schutz schließt zwar wichtige Leistungen wie die Gesundheitsversorgung und Bildung mit ein, es muss jedoch auch sichergestellt werden, dass diese Systeme trotz der gestiegenen Nachfrage zugänglich bleiben.

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Picture 1: Grenzübertritte nach Zielland (Juli 2022)

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Demographische Daten der in Polen registrierten Geflüchteten (Oktober 2022)

In den ersten Tagen nach Ausbruch des Krieges herrschte ein akuter Bedarf an Unterstützung an den Grenzen, Grenzübergängen und Bahnhöfen, der schnell durch lokale Organisationen, das Rote Kreuz und Freiwillige gedeckt wurde. Die Versorgung erfolgte an ausgewiesenen Grenzübergängen, Transitzentren und Bahnhöfen. Mittlerweile wurden viele Geflüchtete in kleinere, abgelegenere Unterkunftszentren im ganzen Land umgesiedelt.

Dort haben sie nur wenig oder gar keinen Zugang zu humanitärer Hilfe und die Unterstützung durch die polnische Gesellschaft in Form von ehrenamtlicher Tätigkeiten oder Spenden nimmt ab. Viele Menschen, die anfangs Familien bei sich zu Hause aufgenommen haben, spüren jetzt die finanzielle Belastung, da die finanzielle Unterstützung der Regierung für polnische Gastfamilien eingestellt wurde. Die vielen Geflüchteten, die immer noch in Turnhallen, Studierendenwohnheimen und Hotels untergebracht sind, sehen deshalb einer ungewissen Zukunft entgegen.

Die Gesundheitsversorgung in Polen war bereits vor dem Krieg überlastet. Covid-19 und das zunehmende Abwandern medizinischen Personals ins Ausland haben das staatliche Gesundheitssystem strapaziert. Zudem greifen immer mehr Menschen, die es sich leisten können, auf eine private medizinische Versorgung zurück.

Obwohl der Bedarf der Geflüchteten an medizinischer Notfallversorgung gesunken ist, bleibt der eingeschränkte Zugang zur medizinischen Grundversorgung für viele ein Risikofaktor. Da die Impfrate in der ukrainischen Bevölkerung sehr niedrig ist und multiresistente Tuberkulose weit verbreitet ist, wird die Belastung durch die ständige Gefahr des Ausbruchs ansteckender Krankheiten noch verstärkt. Auch die vielen unbehandelten chronischen Krankheiten und die psychische Belastung der Geflüchteten verschärfen die Situation.

Projekt

Die Region Opole ist eine kleine Woiwodschaft (Verwaltungseinheit) im Südwesten Polens und eine der ländlichsten der 16 Verwaltungsregionen. Am 20. Juni 2022 nahm Med'EqualiTeam seine Arbeit auf und bietet dort in verschiedenen Unterbringungszentren ukrainischen Flüchtlingen kostenlose medizinische Grundversorgung an. Die Woiwodschaft Opole beherbergt derzeit fast 30.000 ukrainische Geflüchteten, die entweder in Zentren oder bei polnischen Familien untergebracht sind.

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Woiwodschaft Opole

Im Gegensatz zu unserem Einsatz auf Samos, der Nahe eines großen Geflüchtetencamps stattfand, besteht das Projekt in Opole aus einer mobilen Primärversorgungseinheit. Diese fährt die verschiedenen Unterbringungszentren in der Region an und bietet dort medizinische Behandlung an, wo sie am meisten benötigt wird. Diese Einheit besteht aus einer*m Oberärzt*in, einer*m Assistenzärzt*in (oder Medizinstudent*innen), einer*m Übersetzer*in für Ukrainisch und Russisch sowie einer*m Freiwilligen für Verwaltung und Logistik.

One of the “transit centres”, Sokrates, where people stay only a few nights before moving to another centre in the region or another destination.

Eines der "Transitzentren", Sokrates, in dem die Menschen nur einige Nächte bleiben, bevor sie in ein anderes Zentrum in der Region oder zu einem anderen Ziel weiterziehen.

Seit wir dieses Projekt ins Leben gerufen haben, haben wir bereits hunderte von Konsultationen durchgeführt, internationale Freiwillige aus der ganzen Welt aufgenommen und uns in der lokalen Gemeinschaft vernetzt. Wir haben so Geflüchtete erreicht, die in einigen der entlegensten Gebieten der Region leben. Als einzige medizinische NGO, die in der Woiwodschaft Opole tätig ist, wird unsere Arbeit von der Regionalregierung unterstützt. Wir leisten zudem einen aktiven Beitrag zu den gemeinsamen Aktivitäten der WHO und des UNHCR Gesundheitssektors und den Aktivitäten medizinischer Notfallteams.

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