Mobile medizinische Teams in Polen

Med'EqualiTeam

Für Geflüchtete aus der Ukraine

Med’EqualiTeam – Polen

Kontext

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine am 24.2.2022 haben mehr als 6,5 Millionen Menschen das Land verlassen müssen, etwa die Hälfte von ihnen floh nach Polen (Quelle: UNHCR). Es ist allerdings unklar, wie viele Menschen letztendlich dort geblieben sind, da einige nach Westeuropa weitergereist sind oder nach einigen Wochen in die Ukraine zurückgekehrt sind.

Es ist jedoch sicher, dass viele Familien, vor allem Frauen, (Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen die Ukraine aufgrund des Krieges nicht verlassen) ältere Menschen und Kinder in Polen geblieben sind und auch in Zukunft bleiben werden. Eine bereits bestehende ukrainische Community, die herzliche Unterstützung durch die polnische Bevölkerung sowie die europäischen Richtlinien für den Zugang zu Asyl, Bildung und das Recht auf Arbeit für 18 Monate erleichtern es, sich dort niederzulassen. Man erhält eine sogenannte PESEL-Nummer, die einem Zugang zu Gesundheitsversorgung und verschiedenen Verwaltungsstrukturen ermöglicht.

Demographics of Ukrainian refugees applying for PESEL number in Poland, May 2022

Demographics of Ukrainian refugees applying for PESEL number in Poland, May 2022

Demografische Daten der Geflüchteten aus der Ukraine, die in Polen eine PESEL-Nummer beantragen, Mai 2022

In den ersten Tagen nach Ausbruch des Krieges herrschte ein akuter Bedarf an Unterstützung an den Grenzen, Grenzübergängen und Bahnhöfen, der schnell durch lokale Organisationen, das Rote Kreuz und Freiwillige gedeckt wurde.

Doch je länger die Situation andauert, desto schwieriger wird es für die polnische Bevölkerung weiterhin das gleiche Maß an Zeit und Spenden aufzubringen. Viele Familien haben Geflüchtete in ihrem eigenen Zuhause untergebracht, können dies jedoch selbst mit der Hilfe von finanziellen Zuschüssen, die von der Regierung zur Unterstützung für Lebensmittel und Rechnungen bereitgestellt werden, meist nicht länger als ein paar Wochen leisten. Es scheint, als gäbe es noch immer keine mittel- oder langfristigen Pläne für die Unterbringung der Geflüchteten.

Was die Gesundheitsversorgung in Polen betrifft, so war die Lage bereits vor Kriegsbeginn kompliziert. Das staatliche Gesundheitssystem war deutlich erschöpft, diejenigen, die es sich leisten konnten, griffen häufig auf eine private medizinische Versorgung zurück und viele Ärzt_innen wanderten ins Ausland ab. Die medizinische Situation der Geflüchteten aus der Ukraine ist derzeit zwar nicht kritisch, könnte aber zu einer großen Belastung für das staatliche Gesundheitssystem werden. Unbehandeltete chronische Erkrankungen, die psychische Belastung der Geflüchteten sowie eine höhere Prävalenz multiresistenter Tuberkulose und ein erhöhtes Risiko für einen Ausbruch von Infektionskrankheiten durch fehlende Impfungen der ukrainischen Bevölkerung (Covid, Polio, Masern) spielen dabei eine Rolle.

Projekt

Die Region Opole ist eine kleine Woiwodschaft (Verwaltungseinheit) im Südwesten Polens. Sie beherbergt derzeit 25.000 Geflüchtete aus der Ukraine, die entweder bei polnischen Familien oder in Zentren untergebracht sind. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden werden wir die medizinische Versorgung der in diesen Zentren untergebrachten Geflüchteten übernehmen.

Opole voivodeship

Woiwodschaft Opole

Wir werden in mobilen Teams arbeiten, bestehend aus jeweils einem_r Ärzt_in, Pflegekraft, Assistenzärzt_in oder Medizinstudierenden, einem_r ukrainischen Übersetzer_in und einem_r Freiwilligen für Logistik und Verwaltung. Geplant sind aktuell zwei mobile Teams, die Anzahl werden wir im Laufe der Zeit an den Bedarf der benötigten Konsultationen anpassen. Die Arbeitstage und -stunden hängen von den jeweiligen Zentren und Entfernungen ab.

One of the “transit centres”, Sokrates, where people stay only a few nights before moving to another centre in the region or another destination.

Eines der "Transitzentren", Sokrates, in dem die Menschen nur einige Nächte bleiben, bevor sie in ein anderes Zentrum in der Region oder zu einem anderen Ziel weiterziehen.

Wir werden am 20. Juni 2022 beginnen uns einen Überblick in den verschiedenen Zentren zu verschaffen und dann die medizinischen Aktivitäten aufnehmen. Die Zusammenarbeit mit einer lokalen Apotheke ist bereits in die Wege geleitet worden, die Verbindung zu den örtlichen Gesundheitszentren muss noch hergestellt werden. Die Integration auf nationaler Ebene zur Koordinierung der Gesundheitsversorgung ist bereits seit April etabliert.