Situation in Samos

Med'EqualiTeam

Im Geflüchtetenlager auf der griechischen Insel Samos sind derzeit 7100 or 7400 Menschen untergebracht, obwohl es nur für 650 Menschen ausgelegt ist

Griechenland

Seit mehreren tausend Jahren empfängt Griechenland Menschen, die aufgrund von Krieg und Armut ihren Ländern entfliehen. Es gibt zwei Hauptwege, um nach Griechenland zu gelangen: über den Landweg, die Nordgrenze mit der Türkei in der Evros Region überquerend, oder über den Seeweg, von der Türkei aus über das Ägeische Meer eine der nächstgelegenen Ägeischen Inseln (Lesbos, Chios, Samos, Kos, Leros) erreichend. Seitdem die Balkanroute im März 2016 geschlossen wurde, können Asylsuchende nicht legal aus Griechenland weiterziehen und seit dem EU-Türkei-Deal können sie die „Hotspots“, in die sie gelangt sind, nicht verlassen. In Verbindung mit langsamen Asylverfahren resultiert dies in Lagern, die mehrere Tausend Asylsuchende beherbergen und die dort für viele Monate bis Jahre ausharren.

Samos

Samos ist eine ägeische Insel, die nur 2 km von der Türkei entfernt liegt. Auf Samos gibt es ein Geflüchtetenlager, das in der Hauptstadt Vathy gelegen ist. Es wurde einst gebaut, um 650 aufnehmen zu können, aber wird nun von über 8000 Menschen bewohnt. Die Asylsuchenden stammen mehrheitlich aus Syrien, Irak, Afghanistan, DRC und Kamerun. Ein Drittel der Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt mit einem großen Anteil an unbegleiteten Minderjährigen. Die Hälfte der Bevölkerung sind erwachsene Männer. Da es weiterhin Neuankömmlinge gibt, aber nur wenige aufs Festland überführt werden, wächst die Bevölkerung jedes Jahr schnell.

Das letzte Jahrzehnt war schwer für die Bewohner von Samos. Zusammen mit der Wirtschaftskrise 2008, wurden sie gezwungen diese Last alleine zu tragen. Dies führte zu Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf der Insel. Folglich kommt es regelmäßigen Protesten der Inselbewohner_innen, die die Öffnung von geschlossenen „Hotspots“ verlangen und es gab auch Proteste der Asylsuchenden, die von den Lebensbedingungen enttäuscht sind.

Lebensbedingungen

Überbevölkerung führte zu katastrophalen Lebensbedingungen im Lager, was sich nachteilig auf die Gesundheit der Bewohner auswirkt. Die meisten Menschen mussten kleine Zelte außerhalb des offiziellen Lagers, im so genannten Jungle, aufstellen. Wenn die Zelte nass und im Winter kalt werden, macht dies die Menschen für Infektionen anfällig. Feuer, die zur Wärmeerzeugung entfacht werden, verursachen Verbrennungen, vor allem bei kleinen Kindern.

Es gibt kaum Toiletten oder Duschen und die meisten sind schmutzig oder kaputt, was zu Verstopfung oder zur Verbreitung von Durchfallserkrankungen führt. Die meisten Menschen haben kaum oder keinen Zugang zu Duschen, was dazu führen kann, dass sich Wunden hochgradig infizieren. Die beengten Wohnverhältnisse ohne Zugang zu Waschmaschinen führt zur Ausbreitung von Parasiten wie Bettwanzen und Krätze. Durch die mangelnde Hygiene leben im Lager Ratten, Skorpione und Schlangen Seite an Seite mit den Bewohnern. Das “Lager-Essen”, welches bereitgestellt wird und für das sich die Bewohner mehrere Stunden pro Mahlzeit anstellen müssen, ist nährstoffarm und führt oftmals zu Durchfall.

Verständlicherweise sind psychische Probleme wie PTBS und Depression die meist gesehenen medizinischen Probleme. Unter diesen Bedingungen zu leben macht nervös, was zu Gewalt führt. Es ist kein sicherer Ort für Frauen, die oftmals sexuelle und geschlechtsbezogene Gewalt erfahren. Das Lager ist für internationale NGOs geschlossen, was bedeutet, dass man sich die wahren Schrecken, die im Innern vor sich gehen, nur vorstellen kann.

Medizinische Akteure

EODY ist eine griechische öffentliche Gesundheitsorganisation, die mit der Gesundheitsversorgung der Menschen im Lager beauftragt ist. Jedoch ist das Team aus einem Arzt, ein paar Krankenpfleger_innen und Hebammen sowie einem Psychologen nicht in der Lage ausreichende Behandlungsoptionen für diese Bevölkerungsgruppe mit hohem Bedarf an Gesundheitsversorgung zu bieten.

Die Menschen versuchen den Lagerarzt for days on end aufzusuchen und schlafen sogar vor seinem Büro. Das kleine örtliche Krankenhaus wurde überwältigt von dem plötzlichen Bevölkerungsanstieg, was zu unzumutbaren Wartezeiten sowohl für die griechische Bevölkerung als auch für die Geflüchteten führte. Andere Faktoren wie der Mangel an Übersetzer_innen und Sozialversicherungsnummern erschweren weiterhin den Zugang zu Gesundheitsversorgung.

Patient_innen, die fachärztliche Versorgung wie zum Beipiel HIV- und Tumor-Behandlung, spezielle Ops, und stationäre psychiatrische Therapie benötigen, können nicht vor Ort behandelt werden und müssen auf das Festland überführt werden, um entsprechende Behandlung zu erhalten. Asylsuchende können von bestimmten Diagnosen profitieren und daher Symptome vortäuschen oder aufbauschen, um überführt zu werden, was das System zusätzlich belastet.

Med'EqualiTeam betreibt die Klinik um den Zugang zu medizinischer Grundversorgung zu verbessern und die örtlichen Einrichtungen zu entlasten. MSF eröffnete eine Klinik, die sexuelle und reproduktive Gesundheitsdienstleistungen anbietet und IRC versorgt die Geflüchteten in Aspekten der psychischen Gesundheit.

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GCR publishes a report on the EU-Turkey Statement and its implementation in the Samos hotspot

18. April 2019

by Greek Council for Refugees (GCR)